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Webseiten in Oldenburg: Warum 7 von 10 Kleinunternehmen online unsichtbar bleiben

Letzte Woche habe ich drei Betriebe in Oldenburg gegoogelt, die ich persönlich kenne. Einen Friseur in der Nadorster Straße. Ein kleines Restaurant im Dobbenviertel. Eine Physiotherapiepraxis in der Donnerschweer Straße. Alle drei haben eine Website. Keiner tauchte auf Seite 1 auf, als ich nach ihrer Leistung plus „Oldenburg" suchte.

Das ist kein Zufall. Es ist das Muster, das ich in meiner täglichen Arbeit sehe. Die grundlegenden Probleme habe ich in einem früheren Beitrag über häufige Website-Fehler beschrieben. Wen es interessiert, warum Seiten trotz Besuchern keine Anfragen bringen, sollte auch diesen Beitrag anschauen.

Heute geht es um etwas Spezielleres: Warum Oldenburger Betriebe trotz Website unsichtbar bleiben, und welchen einzelnen Hebel fast niemand nutzt.

Der lokale Sichtbarkeitstest in 30 Sekunden

Machen Sie einen Selbsttest, bevor Sie weiterlesen. Öffnen Sie Google auf Ihrem Handy, nicht am Laptop das verfälscht das Ergebnis, weil Sie am Rechner meist eingeloggt sind und andere Signale reinspielen. Tippen Sie ein: Ihre Branche plus „Oldenburg". Zum Beispiel „Friseur Oldenburg" oder „Steuerberater Oldenburg".

Sie sehen drei Blöcke:

  • Ganz oben: die Karten-Box mit drei Betrieben und einer Karte. Das ist das sogenannte „Local Pack".
  • Darunter: die bezahlten Anzeigen, gekennzeichnet mit „Gesponsert".
  • Erst danach: die klassischen organischen Treffer, die die meisten Leute unter „Google-Ergebnisse" verstehen.

Wo stehen Sie? Wenn Sie im Local Pack auftauchen, machen Sie vieles richtig. Wenn nicht, verlieren Sie zwischen 40 und 60 Prozent aller potenziellen Klicks, bevor jemand überhaupt zu den klassischen Treffern scrollt. Viele Kleinunternehmer wissen das nicht und konzentrieren sich monatelang auf eine Seite, die im Spiel gar nicht mehr mitspielt.

Das Oldenburg-Problem: die unsichtbare Konkurrenz aus Bremen und Hamburg

Ich sehe bei Oldenburger Betrieben oft einen Denkfehler: Sie sehen sich als lokaler Dienstleister im lokalen Markt. Google sieht das anders. Google fragt nicht „Wer ist in Oldenburg?", sondern „Wer ist für diese Suchanfrage aus dieser Region am relevantesten?". Die Antwort kann auch ein Betrieb aus Bremen sein, wenn der technisch besser aufgestellt ist.

Das merkt man besonders deutlich bei Suchanfragen ohne Stadtzusatz. Wenn jemand in Oldenburg-Eversten einfach nach „Webdesigner" sucht, zieht Google den Standort heran und entscheidet, wer gezeigt wird. Ein Oldenburger Betrieb mit schwacher Webpräsenz verliert diesen Vergleich gegen eine Bremer Agentur, die professioneller optimiert ist, auch wenn der Nutzer nie nach Bremen wollte.

Das ist unfair, aber es ist das Spielfeld. Konkret heißt das: Ein Oldenburger Betrieb muss online nicht nur gut sein. Er muss erkennbar besser platziert sein als die Bremer und Hamburger Konkurrenz, die in seinem Einzugsgebiet mitmischt. Wie man das praktisch angeht, habe ich in meinem SEO-Leitfaden für Oldenburger Unternehmen ausführlicher beschrieben.

Der größte ungenutzte Hebel: Google Business Profile

Google Business Profile: früher „Google My Business" ist der Grund, warum die Karten-Box oben in der Suche überhaupt existiert. Jeder Betrieb, der dort auftaucht, hat ein gepflegtes GBP. Jeder, der nicht auftaucht, hat entweder keines, ein unvollständiges, oder eines ohne Bewertungen.

Der eigentliche Witz: Es ist komplett kostenlos. Trotzdem nutzen schätzungsweise nur 20 bis 30 Prozent der Oldenburger Kleinunternehmen es wirklich vollständig. Die anderen haben entweder gar kein Profil oder haben es vor drei Jahren angelegt und danach nicht mehr angefasst.

Was „vollständig gepflegt" konkret bedeutet

Wenn ich das bei Kundenprojekten auseinandernehme, landen wir immer bei denselben Punkten. Ein Profil zählt dann als vollständig, wenn:

  • die primäre und passende sekundäre Kategorien gesetzt sind, nicht nur „Restaurant", sondern zum Beispiel auch „Gastronomie" und „Lieferdienst", wenn das zutrifft;
  • alle Dienstleistungen einzeln eingetragen sind, nicht pauschal „Webdesign", sondern „One-Page Website", „Business Website", „Website-Pflege" usw.;
  • mindestens fünfzehn Fotos den Betrieb zeigen: Innenraum, Produkte, Team, Außenansicht, Arbeitsbeispiele;
  • die Beschreibung die vollen 750 Zeichen nutzt und nicht aus zwei Sätzen besteht;
  • Produkte mit Bildern und Preisen gelistet sind, wo es zur Branche passt;
  • Öffnungszeiten aktuell sind, Feiertage inklusive;
  • mindestens fünf echte Bewertungen vorhanden sind, keine Fakes von Kollegen, sondern echte Kunden;
  • in den letzten dreißig Tagen mindestens ein Beitrag veröffentlicht wurde.

Wer alle acht Punkte erfüllt, rangiert in fast jeder lokalen Suche in Oldenburg deutlich weiter oben. Wer drei davon erfüllt, bleibt auf Seite 2 oder unsichtbar. So brutal ist das Ranking-Signal.

Der Fehler vieler Selbstständiger: die Website als einzige Baustelle sehen

Ich werde oft gefragt: „Ich brauche eine neue Website, weil die alte keine Anfragen bringt." In etwa der Hälfte der Fälle ist das nur die halbe Wahrheit. Die Website ist ein Teil des Problems, aber genauso oft fehlt es am Google Business Profile, an Einträgen in lokalen Verzeichnissen oder an aktuellen Bewertungen.

Wer nur die Website erneuert, ohne die drum herum liegende Sichtbarkeit zu fixen, investiert in ein schöneres Schaufenster in einer Straße, die keiner mehr entlangläuft. Wer trotzdem über einen Relaunch nachdenkt, findet in meinem Leitfaden zum Website-Relaunch die typischen Stolperfallen.

Die sinnvolle Reihenfolge ist eigentlich umgekehrt:

  1. Google Business Profile vollständig aufsetzen: drei bis fünf Stunden Arbeit, einmalig.
  2. Lokale Verzeichnisse sicherstellen: Gelbe Seiten, 11880, Das Örtliche, IHK-Verzeichnis. Zwanzig bis dreißig Minuten pro Eintrag.
  3. Die ersten fünf Bewertungen aktiv einholen: gezielt bei zufriedenen Kunden nachfragen, nicht hoffen, dass sie von selbst kommen.
  4. Erst dann über Website-Optimierung oder -Neubau nachdenken.

Diese Reihenfolge klingt für viele Gewerbetreibende kontraintuitiv. Aber sie folgt dem Geldfluss. Die ersten drei Schritte bringen Sichtbarkeit. Die Website macht aus Besuchern Kunden. Ohne Schritt 1 bis 3 hat die Website niemanden, den sie überzeugen könnte.

Der 4-Wochen-Plan für Oldenburger Betriebe

Wenn ich einem Oldenburger Kleinunternehmer einen konkreten Plan für die nächsten vier Wochen geben müsste, sähe der so aus:

Woche 1: Google Business Profile

Einen Abend einplanen, an dem der Feierabend später wird. Profil neu erstellen oder bestehendes überarbeiten. Primärkategorie korrekt setzen, alle Servicekategorien nennen, Beschreibung mit 750 Zeichen ausfüllen, mindestens zehn Fotos hochladen. Danach ist das Profil zu 80 Prozent fertig, der Rest ergibt sich in den Folgewochen durch Bewertungen und Beiträge.

Woche 2: lokale Verzeichnisse

Kontaktdaten in exakt einer Schreibweise festlegen, also zum Beispiel „Musterstraße 5, 26121 Oldenburg, 0441 123456" und nichts anderes, und in vier Verzeichnissen eintragen: Gelbe Seiten, Das Örtliche, 11880 und IHK Oldenburg. Jedes Verzeichnis dauert zwanzig bis dreißig Minuten. Wichtig ist die Konsistenz: Wenn die Adresse an einer Stelle „Musterstr." heißt und an anderer „Musterstraße", erkennt Google das als unterschiedliche Betriebe.

Woche 3: die ersten Bewertungen

Fünf zufriedene Kunden persönlich anschreiben oder anrufen und um eine Google-Bewertung bitten. Direkt den Link zum Profil schicken, sonst wird es umständlich und die Leute lassen es bleiben. Aus fünf Anfragen kommen erfahrungsgemäß zwei bis drei Bewertungen. Das reicht für den Einstieg. Nach dem Start wiederholt man das Ganze alle paar Monate.

Woche 4: Website ehrlich anschauen

Jetzt erst auf die eigene Website schauen. Mit dem Kontrast, den man inzwischen aus dem GBP gelernt hat, „Wieso steht eigentlich auf meiner Startseite die Stadt nicht?" fallen Mängel plötzlich auf, die vorher unsichtbar waren. Eine ehrliche Liste anlegen: Was muss unbedingt rein, was kann warten. Wenn dabei auffällt, dass die Seite strukturelle Probleme hat, helfen die typischen Website-Fehler bei Kleinunternehmen als Checkliste.

Fazit: Sichtbarkeit kommt vor Design

Die meisten Oldenburger Kleinunternehmen haben keine Design-Krise. Sie haben eine Sichtbarkeits-Krise. Die Website ist da, sieht halbwegs aus, funktioniert. Aber sie wird schlicht nicht gefunden, weil drumherum die Signale fehlen, die Google braucht, um sie weit oben zu zeigen.

Der Ausweg ist nicht teurer, sondern nur anders. Bevor man die Website austauscht, sollte man prüfen, ob die Grundlagen der lokalen Sichtbarkeit stehen. Und die kosten zum Großteil keine Agenturrechnung, sondern ein paar Abende Zeit.

Wer bei dem Vier-Wochen-Plan oben unsicher ist oder einen ehrlichen Blick auf die eigene Online-Sichtbarkeit braucht: Ich schaue mir das gerne in einem kurzen Erstgespräch an, kostenlos, in Oldenburg vor Ort oder am Telefon. Oft sind es drei oder vier konkrete Punkte, die den Unterschied zwischen „unsichtbar" und „Top-3 im Local Pack" ausmachen. Die meisten davon können Sie selbst umsetzen.

Mehr zu meinen Leistungen: Webdesign & Entwicklung in Oldenburg oder direkt Kontakt aufnehmen.

Jasser Seyam Webdesigner aus Oldenburg
Jasser Seyam
Webdesigner & Entwickler aus Oldenburg
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